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MENTOR – die neue „Fruchtbringende Gesellschaft“

MENTOR – die neue „Fruchtbringende Gesellschaft“

Apfelbaum-Pflanzaktion in der Grundschule Lauerholz

„Der Name Fruchtbringend/ darum/ damit ein jeder/ so sich hinein begiebet/... Frucht zuschaffen äußerst beflissen seyn solle.“ Das war Zielsetzung der „Fruchtbringenden Gesellschaft“, die sich, gegründet 1617, im Verlauf des 17. Jahrhunderts zur ersten und auch größten deutschen Sprachakademie mit fast 1000 Mitgliedern entwickelte. Was die Bildungselite des Barock an deutschsprachiger Literatur schuf, war nicht nur zur geistigen Erbauung, sondern auch als moralisches Gegengewicht gedacht gegen Verzweiflung, Tod und Verderben, gegen die Apokalypse des Dreißigjährigen Kriegs mitten in Europa.
Natürlich wäre es vermessen, wenn man MENTOR in der direkten Nachfolge dieser literarisch-kulturellen Entwicklung einordnen wollte. Denn die Zielsetzungen auf allen Ebenen sind doch zu verschieden. LeselernhelferInnen versuchen sich für die Schwächeren in der Gesellschaft stark zu machen, ihnen den Zugang zu Sprache und Literatur zu ermöglichen und so Wege zur erfolgreichen Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ebnen. Bei ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit zählen zu ihren „Lesekindern“ neben deutschen Kindern immer mehr solche mit Migrationshintergrund, insbesondere auch Kinder, die durch heutige Kriege, durch Flucht, Vertreibung und Not zu uns gekommen sind. Der deutsche Spracherwerb ist die Grundlage für eine gelingende Integration, wird zur Eintrittskarte in die neue Gesellschaft. Der MENTOR – Verein hat in den vergangenen zehn Jahren seines Bestehens schon viele Kindern dabei erfolgreich begleitet.
Sichtbares Zeichen der „Lese-Früchte“ ist nun ein Apfelbaum geworden, der in einem symbolischen Akt bereits auf der Jubiläumsfeier Anfang Oktober vorgestellt worden ist. Während sich die barocke Sprachakademie als „Palmen-Orden“ verstand, haben sich MentorInnen der Grundschule Lauerholz, unterstützt von Jutta Kähler und Dr. Imke Roese vom MENTOR-Vorstand, auf ein „Apfelbaum-Abenteuer“ mit dem Verein „Hanse-Obst e. V.“ eingelassen, um ihre „Lese-Früchte“ für alle noch eindrucksvoller sichtbar zu machen. Nach Absprache mit der Schulleiterin, Verena Schneider-Prengel, und natürlich auch nach Beratung mit dem Hausmeister, Bernd Hartwig, haben die LeselernhelferInnen zusammen mit der Klasse 1 b und der Klassenlehrerin Gyde Lehmann einen Apfelbaum auf dem Gelände vor der Schule gepflanzt. Es ist eine alte heimische Apfelsorte, Prinz Albrecht von Preußen. Unter fachlicher Anleitung von Heinz Egleder vom Verein „Hanse-Obst e. V.“ ist der bereits stattliche Obstbaum von den achtzehn Mädchen und Jungen mit Feuereifer in die Erde gebracht und abgestützt worden. Die Kinder haben ihn mit ihrem Lied „Ich schenk’ dir einen Sonnenschein“ in ihre Mitte genommen. Sie werden ihn in den kommenden Jahren pflegen und freuen sich schon jetzt auf seine Gegengaben: die Blüten im Frühjahr, das Schatten spendende Blätterdach im Sommer und die ersten gelbroten Äpfel im Herbst. Denn diese Äpfel, das haben die MentorInnen versprochen, besitzen eine ganz besondere Kraft: sie „stärken“, sie sorgen für „Wohlergehen“ und spenden „Glück und Erfolg“. Das wissen die Kinder und beißen voller Vorfreude in die mitgebrachten saftigen Äpfel.

Von Hagen Scheffler
erschienen in den Lübeckschen Blättern der Gemeinnützigen 11/ 2016
http://www.luebeckische-blaetter.info/2016/18_LB181.pdf

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