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MENTOR hilft zur Leselust

MENTOR hilft zur Leselust

Wochenspiegel

Wie gelingt es, Schüler mit Leseschwäche bei der Entwicklung sprachlicher Stärken zu fördern und dadurch wichtige Weichen für die Zukunft zu stellen?

Auf persönliche Zuwendung in vertrauensvoller und fröhlicher Atmosphäre setzt mit großem Erfolg MENTOR-Die Leselernhelfer Lübeck e.V. und das seit nunmehr neun Jahren. Insgesamt kümmern sich die ehrenamtlichen Leselernhelfer um über 300 Schüler an 44 Schulen in Lübeck.

Wolfgang Meier, 2.Vorsitzender des Vereins und Vater in einer Familie mit drei Jungen, ist Mentor an der Paul- Gerhardt-Schule im Lübecker Stadtteil St. Lorenz Nord. Er nimmt sich immer donnerstags nacheinander Zeit für zwei Schüler, um deren Lese- und Sprachkompetenz zu stärken. In der Bibliothek schmökern sie im Lieblingsbuch 'Die Bolzplatzbande'. Auch organisiert er für die weiteren Mentoren an seiner Schule den Kontakt zwischen Lehrern und den Schülern und steht für Fragen zur Verfügung - im Verein Koordination genannt.

Was bewegt Wolfgang Meier, sein Ehrenamt auszuüben?

Am Ende der aktiven Berufszeit suchte er nach einer sinnvollen ehrenamtlichen Tätigkeit. Er stieß auf MENTOR. Schon mit seinen eigenen Kindern hatte er in deren Grundschulzeit oft und gerne gemeinsam geübt und ihnen so den Spaß am Lesen eröffnet. Wolfgang Meier weist darauf hin, dass Mentoren keine Nachhilfe geben. Vielmehr treffen sie sich regelmäßig einmal wöchentlich für eine Stunde in der Schule der Kinder. Sie holen die Kinder dort ab, wo sie leistungsmäßig stehen und wecken die Freude am Lesen.

Leseschwäche nagt am Selbstbewusstsein der Kinder. Was bewährt sich in solchen Fällen?

Allein die vertrauensvolle, ungeteilte Aufmerksamkeit in der 1:1 Betreuung. Die Zeit, die den Kindern geschenkt wird, und das Lob für jeden noch so kleinen Fortschritt. Das gibt dem Kind Sicherheit und es erfährt eine Einzigartigkeit, die das Kind stärkt.

Wie wird eine solche Lesestunde gestaltet?

Nach einer fröhlichen Begrüßung erfolgt ein Austausch über die vergangene Woche. Danach wird in den gemeinsam ausgewählten Büchern gelesen - dabei liest der Mentor ein Stück, dann der Schüler, je nach Leselust und Leistungsstand. Die Konzentration der Schüler reicht allerdings nicht für eine so intensive Schulstunde aus, daher wird zwischendurch ein Spiel gespielt oder bei gutem Wetter auch einmal mit dem Ball vor der Tür gekickt. Zum Schluss wird das Gelesene kurz reflektiert und mit einem Blick auf die nächste Woche wird die Lesestunde dann beendet.

Der Verein stellt den Mentoren eine Auswahl an Büchern in der vereinseigenen Bibliothek zur Verfügung, die kontinuierlich wächst und auf die aktuellen Lesetrends bei Kindern eingeht, aber auch Klassiker bereit hält. Gleichzeitig stehen in den von MENTOR betreuten Schulen 'Lesekisten' mit ausgewählten Fördermaterialien zur Verfügung.

Welcher ist der persönliche Favorit der Leseförderspiele bei Wolfgang Meier?

Neben den LÜK Übungskästen bereiten seinen Schülern das 'Tiptoi- Spiel' viel Freude oder das Spielen einer Partie Schach. Die Buchreihe 'Erst ich ein Stück dann du' unterstützt die Lesestunde sinnvoll. Ihm bereiten aber die vielen Ausflüge, die der Verein den Mentoren mit Lesekindern anbietet, große Freude.

Gibt es weiteren Bedarf an Leselernhelfern in Lübeck?

Ja, gesucht werden immer Mentoren im gesamten Lübecker Stadtgebiet, insbesondere allerdings in Moisling, Kücknitz und St. Lorenz Nord.In Moisling wird dringend ein Helfer benötigt, der sich der Koordination der Leselernhilfe an der dortigen Heinrich-Mann-Schule annehmen mag. Interessenten für das Ehrenamt eines Leselernhelfers sollen selbst intensiven Zugang zum Lesen mitbringen, auch moderne Literatur nicht scheuen und sensibel mit Kindern umgehen.

Wie bereitet der Verein die Interessenten auf ihre Aufgabe vor?

Neben einer intensiven Einführungsveranstaltung bietet MENTOR- Die Leselernhelfer Lübeck e.V. acht bis zehn kostenfreie Fortbildungen an. Wolfgang Meier freut sich besonders auf die anstehende Fortbildung zum Thema ' Jungenleseförderung'.

Auch die Unterstützung von Schülern mit Migrationshintergrund liegt ihm am Herzen, denn diese Aufgabe wird in Lübeck verstärkt auf die Mentoren zukommen. Ein Drittel der von MENTOR betreuten Schüler hat eine andere Herkunftssprache als Deutsch.

Und wie äußern sich die Lehrer zu diesem Ehrenamt?

Sigrid Trambacz, Schulleitung der Paul-Gerhardt-Schule, lobt den ehrenamtlichen Einsatz der Leselernhelfer: 'Lesen ist eine der wichtigsten Bildungskompetenzen, die wir vermitteln. Manche Kinder benötigen etwas mehr Zeit und Übung, um das Lesen zu erlernen. Hier helfen die Mentoren. Zudem schenken die Ehrenamtler den Kindern eine Stunde ungeteilte Zeit, in der die Kinder auch von ihren kleinen und großen Sorgen berichten. Diese Zuwendung gibt den Kindern Sicherheit und stellt eine wesentliche Voraussetzung für das Lernen allgemein dar.' Katrin Feilcke, die die Leselernhilfe in der Schule organisiert, ergänzt: 'Lustbetontes Lesen steht im Vordergrund, d.h. in der Mentorenstunde wählen die Kinder aus, welcher Lesestoff ihnen am besten gefällt.' Konrektorin Julia Weise möchte auf die ehrenamtliche Leselernhelfer in ihrer Schule nicht mehr verzichten: 'Das Buch hat große Konkurrenz erhalten durch das überaus vielfältige Angebot an modernen Medien. Mentoren erwecken Leselust, sprechen mit den Kindern und helfen ihnen in ihrer Lese- und Sprachausbildung.'

Den Artikel mit Foto finden Sie auch unter: http://epaper1.ln-online.de/

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